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Weißt du nicht, dass die Wälder das Leben des Landes sind

(Babylonische Keilschrift)

 

 

Kann es etwas Schöneres geben als die Jahreszeiten eines Baumes? Ein Baum steht in Schönheit von Jahr zu Jahr und behält seine Anmut und Würde. Seine Geheimnisse sind mitten in ihm, und er erzählt nichts von Menschen und ihren vorübergehenden Erlebnissen. Wir lernen etwas, wenn wir einen Baum betrachten. Ständig beschneidet er sich selbst, fortgesetzt wirft er alles Übermässige ab. Wenn er an einer schwierigen Stelle wächst, sendet er tiefe Wurzeln hinab, um nach festen Halt zu suchen . Jedes Blatt ist einzigartig und schön- doch es dient auch dazu, giftige Stoffe aus der Atmosqhäre zu entfernen, und sendet einen sauberen Duft aus, um uns vor Hitze zu schützen. neben einem Baum zu sitzen oder unter einer Eiche auf der Erde zu liegen ist der Gipfel des  Genusses.

(Die weisen Frauen der Cherokee)

 

 

 

Das keltische Baumhoroskop

 

Der Apfelbaum: Die Liebe: 23.12-01.01 und 25.06-04.07

( Paradiesbaum/Pirus malus/Pommier/Apple-tree .)

Es wird gesagt, dass Apfelbaum-Geborene zwischen Himmel und Erde, vermitteln sollen. Verstand und Gefühl gehören für diese Menschen zusammen, und ihre moralische Toleranz soll verbindlich sein. Sie helfen gerne und sind sehr verständnisvoll, aber auch verletzlich und geneigt, zuviel zu schlucken. Das birgt die Gefahr der Unterdrückung durch andere, denn sie wehren sich nur in äußerster Not.

  

 

 

Die Tanne: Das Geheimnisvolle:02.01-11.01 und 05.07-14.07

( Thannenbaum/Deckboom/Abies/Sapin/Fir-Tree/Mastboom.)

 

Den der Tanne zugehörigen Menschen sagt man nach, sie seien sehr klug, wirkten aber stets etwas verschlossen, in sich gekehrt, so dass man sie gut kennen müsse, um ihr sensibles Inneres zu sehen. Ihrer gelegentlichen Unnahbarkeit zum Trotz, können die Tanne-Geborenen aber sehr spontan und abenteuerlustig sein.

 

 

 

Die Ulme: Die gute Gesinnung:12.01-24.01 und 15.07-25.07

( Ulmenbaum/Ulmus/Elmtree/Orme/Elfenholz.)

 

Ulme- Geborene sollen große Lebensfreude empfinden und über einen ausgeprägten Optimismus verfügen. Toleranz und Gerechtigkeit sind ihnen Leitworte im Leben. Diese Eigenschaften bringen sie anderen entgegen, fordern sie aber auch für sich selbst: ihre Selbstständigkeit ist ihnen sehr wichtig.

 

 

 

 

Die Zypresse: Die Treue:25.01-03.02 und 26.07-04.08

( Cypressenbaum/Cypressus/Charita.)

 

Menschen deren Baum die Zypresse ist, sagt man großen Mut nach. Sie lieben ihre Freiheit und Eigenständigkeit; ihr Ziel ist die Selbstverwirklichung und Entfaltung ihres Potentials. Zypresse-Geborene pflegen stets ihren eigenen Stil und kümmern sich nicht um Konventionen. Sie sind sehr gesellig und wirken auf andere oft ein wenig geheimnisvoll.

  

 

 

Die Pappel: Die Ungewißheit:04.02-08.02 und 05.08-13.08 und 01.05-14.05

( Pappelbaum/Bellen/Sarbaum/Albeerbaum/Poplar Aspen.)

 

Pappel- Geborene gelten als vielseitig interessiert und kontaktfreudig. Sie verfügen über einen sehr regen Geist und sind äußerst lernfähig. Ihr großer Ehrgeiz, der hinzukommt, beschert ihnen schnelle Erfolge.

 

 

 

 

Der Zürgelbaum: Die Zuversicht:09.02-18.02 und 14.08-23.08

( Zirgelbaum/Nesselbaum/Franzosenholtz/Celtis/Guaiacanam.)

 

Der  Zürgelbaum  zugehörige Mensch soll oft eine sehr imponierende Persönlichkeit sein. Sie verfügen über viel Optimismus und ein überdurchschnittliches Selbstvertrauen, handeln kämpferisch, offen und frontal. Stets klar Stellung beziehend sind sie die geborenen Führungskräfte.

 

 

 

 

Die Kiefer: wählerisches Wesen:19.02-28.02 und 24.08-02.09

( Kynbaum/Hartzbaum/Feuren/Pinus/Zirbelbaum.)

 

Kiefer-Menschen sagt man, sind ausgesprochene Praktiker und stehen mit beiden Beinen im Leben. Sie handeln überlegt, sind gewissenhaft und verfügen über ein hervorragendes Organisationstalent. Ihr Denken ist ausgesprochen zweckorientiert, dabei zeigen sie aber ebensoviel Interesse für andere wie für sich selbst.

 

 

 

 

Die Weide: Die Melancholie:01.03-10.03 und 03.09-12.09

( Felbinger/Weidenbaum/Felber/Willow/Saule/Salix.)

 

Weidengeborene sollen ausgesprochene Menschenfreunde sein. Sie sind sensibel, mitfühlend und teilnahmsvoll. Ihrer Introvertiertheit zum Trotz sind ihre Gefühle so lebendig wie das Wasser, das Weiden lieben und brauchen. Sie sind  geistig und seelisch so elastisch wie die Weidenruten. Von allen Baumgeborenen haben sie den stärksten Zugang zum Unbewussten und Mystischen.

 

 

 

 

Die Linde: Der Zweifel:11.03-20.03 und 13.09-22.09

( Lindenbaum/Bastholz/Tilia/Tilleul/Lime-Tree.)

 

Linde- Geborene Menschen sind sensibel und mitfühlend. Sie helfen und schützen selbstlos all jenen, die ihrer Hilfe und Schutz bedürfen. Ihr Ideal einer vollkommenen und friedvollen Welt zählt für sie mehr als die unschöne Realität.

 

 

 

 

Die Eiche: robuste Natur:21.03

( Quercus/Oaktree/Duir.)

 

Der 21. März, die Frühlings-Tagundnachtgleiche, ist der Tag der Eiche. Sie soll uns daran erinnern, das in uns ein Feuer entzündet wurde, das uns erlaubt, uns selbst zu finden. Menschen die an diesem Tag geboren sind, sollen stark und unverwüstlich sein wie die Eiche. Eiche- Geborene verfügen über ein großes Temperament und einen starken Tatendrang. Für sie zählt nur das hier und jetzt, indem sie aus dem Vollen schöpfen wollen.

 

  

 

 

Die Haselnuß: Das Außergewöhnliche:22.03-31.03 und 24.09-03.10

( Hasel/Coryllus.)

 

Haselbaumgeborene sind oft aktive Kämpfer und haben einen starken Willen. Man sagt ihre Haupteigenschaften sind, große Intelligenz, Intuition und scharfe Urteilskraft. Bisweilen sind sie eigensinnig und egoistisch.

 

 

 

 

 

Die Eberesche: Das Feingefühl:01.04-10.04 und 04.10-13.10

( Ebisch/Sorbus/Mountain-Ashe/Quickbaum/Rowan.)

 

Menschen die der Eberesche zugehören, haben einen ausgeprägten Drang nach Bildung und sind durch ihr strategisches und planerisches Geschick gute Organisatoren. Bei allem, was sie tun, sind sie stets um Harmonie und Gerechtigkeit bemüht: sie möchten die Welt verbessern und verschönern.

 

 

 

 

Der Ahorn: Die Eigenwilligkeit:11.04-20.04 und 14.10-23.10

( Engelsköpfchenbaum/Massholder/Urle.)

 

Ahorn- Geborene mögen nicht mit dem Strom schwimmen, sondern wollen alles Gewöhnliche und Alttägliche hinter sich lassen. Sie haben ein großes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Freiheit, und von Traditionen halten sie meistens ebenso wenig wie von Zwängen und Vorurteilen.

 

 

 

 

Der Nussbaum: Die Leidenschaft:21.04-30.04 und 24.10-11.11

( Welschnuss/Walnut/Hickory/Noyer.)

 

Menschen die an Nussbaum- Tagen geboren sind, sagt man nach, dass sie ein Grundbedürfnis nach stabilen Verhältnissen haben. Ist diese Vorraussetzung erfüllt, sind sie leistungsfähig und kreativ und voller Leidenschaft, wenn es darum geht das, was ihnen lieb und teuer ist, zu verteidigen. Wenn diese Menschen etwas tun, tun sie es ganz und mit großer Beharrlichkeit und Ausdauer. Nussbaum- Geborene sind oftmals egoistisch, aggressiv und  unnachgiebig: gleichzeitig edel und mit einem weiten geistigen Horizont.

 

 

 

 

Die Kastanie: Die Redlichkeit:15.05.24.05 und 12.11-21.11

( Castanea/Chestnut/Marone/Chataignier.)

 

Kastanie- Geborene sagt man, brauchen klare Verhaltensmuster, an denen sie sich ausrichten können. Haben sie dieses Ideal gefunden, sind sie verlässlich und  verantwortungsbewusst. Sie handeln konsequent und gradlinig, können aber auch als etwas starrsinnig bezeichnet werden, weil sie oftmals lieber einen Irrtum durchziehen, als sich selbst untreu zu werden. Einmal die Richtung eingeschlagen, bleiben sie dabei.

 

 

 

 

Die Esche: Der Ehrgeiz:25.05-03.06 und 22.11-01.12

( Asch/Aspalter/Escherbaum/Wundbaum/Steinesche/Fraxinus.)

 

Der Esche zugehörige Menschen gelten als offen, begeisterungsfähig und sehr ausdauernd. Sie verfügen über eine große Phantasie und eine positive Denkweise. Esche-Geborene hassen Ungerechtigkeiten und sind alles andere als autoritätshörig. Sie suchen meistens das Ungewöhnliche und spielen mit dem Schicksal.

 

 

 

 

Die Hainbuche: Der gute Geschmack:04.06-13.06 und 02.12-11.12

( Hagenbuche/Spindelbaum/Carpinus/Charme.)

 

Der Hainbuche- Geborene Mensch soll außerordentlich stark um Loyalität bemüht sein. Sie sind zäh, widerstandsfähig und kämpfen energisch für die Gerechtigkeit. Sehr diszipliniert legen sie sich ganz klare, hohe aber erreichbare Ziele. Von vielem Gerede halten sie nicht viel: Sie handeln lieber.

 

 

 

 

Der Feigenbaum: Die Empfindsamkeit:14.06-23.06 und 12.12-21.12

( Ficus/Figuier/Bodhi-Baum.)

 

Die Feigenbaum- Geborenen  sind starke aber etwas eigenwillige Persönlichkeiten, sie sind unabhängig in ihrem Urteil und dulden keinen Widerspruch. Sie sind ausgesprochen herzlich zu Kindern und Tieren, humorvoll und bekennen sich insgeheim zu Bequemlichkeit und Faulheit. Trotzdem stehen sie mit beiden Beinen fest im Leben und planen geschickt und zielbewusst. Ihre Begabung und ihre Intelligenz sind fast immer praktischer Natur.

 

 

 

 

Die Birke: Das Schöpferische:24.06

( Maibaum/Birza.)

 

Birken- Geborene sollen sich guter Gesundheit erfreuen und sich durch Bescheidenheit auszeichnen. Sie sind selbstbewusst, Eitelkeit oder Ehrgeiz aber kennen sie nicht. Sie sind bereit, viel zu leisten und Verantwortung zu übernehmen. Sie sind auch ausgesprochen Hilfsbereit und alles was sie an Liebe, Verständnis erfahren haben, geben sie dreifach zurück.

 

 

 

 

Der Ölbaum: Die Weisheit: 23.09

( Olivenbaum/Olea.)

 

Die Kelten bestimmten die Herbst-Tagundnachtgleiche zum Tag des Olivenbaums. Wer an diesem Tag geboren wurde, weiß genau, was er will und wie er es bekommen kann. Olivenbaum- Geborene beobachten scharf, nehmen jede Kleinigkeit wahr und passen sich klug an. Ihr Handeln ist zielgerichtet, überlegt und ökonomisch. Egozentrisch sind sie dabei aber nicht: im Gegenteil dienen sie oft auf bewundernswerte Weise der Gemeinschaft und sorgen für Harmonie und Gerechtigkeit.

 

 

 

 

Die Buche: Die Gestalterische: 22.12

( Buchbaum/Fagus/Hetre.)

 

Buche- Geborene gelten als Siegertypen. Sie haben klare Vorstellungen im Leben, denen sie Zielstrebig, Sachlich und Nüchtern nachgehen. Die an diesem Tag geborenen Menschen werden kaum eine Herausforderung scheuen. 

 

 

 

 

 

Es war einmal ein Gärtner

Eines Tages nahm er seine Frau bei der Hand und sagte:
"Komm, Frau, wir wollen einen Baum pflanzen."
Die Frau antwortete: "Wenn du meinst, mein lieber Mann, dann wollen wir einen Baum pflanzen."

Sie gingen in den Garten und pflanzten einen Baum. Es dauerte nicht lange, da konnte man das erste Grün zart aus der Erde sprießen sehen.

Der Baum, der eigentlich noch kein richtiger Baum war, erblickte zum ersten Mal die Sonne. Er fühlte die Wärme ihrer Strahlen auf seinen Blättchen und streckte sich ihnen hoch entgegen. Er begrüßte sie auf seine Weise, ließ sich glücklich bescheinen und fand es wunderschön, auf der Welt zu sein und zu wachsen.

"Schau", sagte der Gärtner zu seiner Frau, "ist er nicht niedlich, unser Baum?"
Und seine Frau antwortete: "Ja, lieber Mann, wie du schon sagtest: Ein schöner Baum!"

Der Baum begann größer und höher zu wachsen und reckte sich immer weiter der Sonne entgegen. Er fühlte den Wind und spürte den Regen, genoß die warme und feste Erde um seine Wurzeln und war glücklich. Und jedesmal, wenn der Gärtner und seine Frau nach ihm sahen, ihn mit Wasser tränkten und ihn einen schönen Baum nannten, fühlte er sich wohl.

Denn da war jemand, der ihn mochte, ihn hegte, pflegte und beschützte. Er wurde lieb gehabt und war nicht allein auf der Welt.

Eines Tages merkte der Baum, daß es besonders schön war, ein wenig nach links zu wachsen, denn von dort schien die Sonne mehr auf seine Blätter. Also wuchs er jetzt ein wenig nach links.

"Schau", sagte der Gärtner da zu seiner Frau, "unser Baum wächst schief. Seit wann dürfen Bäume denn schief wachsen, und dazu noch in unserem Garten? Ausgerechnet unser Baum! Gott hat die Bäume nicht erschaffen, damit sie schief wachsen, nicht wahr, Frau?"

Seine Frau gab ihm natürlich recht. "Du bist eine kluge und gottesfürchtige Frau", meinte daraufhin der Gärtner. "Hol also unsere Schere, denn wir wollen unseren Baum gerade schneiden." Der Baum weinte. Die Menschen, die ihn bisher so lieb gepflegt hatten, denen er vertraute, schnitten ihm die Äste ab, die der Sonne am nächsten waren.

Er konnte nicht sprechen und deshalb nicht fragen. Er konnte nicht begreifen. Aber sie sagten ja, daß sie ihn lieb hätten und es gut mit ihm meinten. Und sie sagten, daß ein richtiger Baum gerade wachsen müsse. Und daß Gott es nicht gern sähe, wenn er schief wachse. Also mußte es wohl stimmen. Er wuchs nicht mehr der Sonne entgegen.

"Ist er nicht brav, unser Baum?" fragte der Gärtner seine Frau.
"Sicher, lieber Mann", antwortete sie, "du hast wie immer recht. Unser Baum ist ein braver Baum." Der Baum begann zu verstehen. Wenn er machte, was ihm Spaß und Freude bereitete, dann war er anscheinend ein böser Baum. Er war nur lieb und brav, wenn er tat, was der Gärtner und seine Frau von ihm erwarteten. Also wuchs er jetzt strebsam in die Höhe und gab acht darauf, nicht mehr schief zu wachsen.

"Sieh dir das an", sagte der Gärtner eines Tages zu seiner Frau, "unser Baum wächst unverschämt schnell in die Höhe. Gehört sich das für einen rechten Baum?"
Seine Frau antwortete: "Aber nein, lieber Mann, das gehört sich natürlich nicht. Gott will, daß Bäume langsam und in Ruhe wachsen. Und auch unsere Nachbarin meint, daß Bäume bescheiden sein müßten, ihrer wachse auch schön langsam."

Der Gärtner lobte seine Frau und sagte, daß sie etwas von Bäumen verstehe. Und dann schickte er sie die Schere holen, um dem Baum die Äste zu stutzen.

Sehr lange weinte der Baum in dieser Nacht. Warum schnitt man ihm einfach die Äste ab, die dem Gärtner und seiner Frau nicht gefielen? Und wer war dieser Gott, der angeblich gegen alles war, was Spaß machte?

"Schau her, Frau", sagte der Gärtner, "wir können stolz sein auf unseren Baum." Und seine Frau gab ihm wie immer recht. Der Baum wurde trotzig. Nun gut, wenn nicht in die Höhe, dann eben in die Breite. Sie würden ja schon sehen, womit sie damit kommen. Schließlich wollte er nur wachsen, Sonne, Wind und Erde fühlen, Freude haben und Freude bereiten. In seinem Innersten spürte er ganz genau, daß es richtig war, zu wachsen. Also wuchs er jetzt in die Breite.

"Das ist doch nicht zu fassen!" Der Gärtner holte empört die Schere und sagte zu seiner Frau: "Stell dir vor, unser Baum wächst einfach in die Breite. Das könnte ihm so passen. Das scheint ihm ja geradezu Spaß zu machen. So etwas können wir auf keinen Fall dulden!"
Und seine Frau pflichtete ihm bei: "Das können wir nicht zulassen. Dann müssen wir ihn eben wieder zurechtstutzen."

Der Baum konnte nicht mehr weinen, er hatte keine Tränen mehr. Er hörte auf zu wachsen. Ihm machte das Leben keine rechte Freude mehr. Immerhin, er schien nun dem Gärtner und seiner Frau zu gefallen. Wenn auch alles keine rechte Freude mehr bereitete, so wurde er wenigstens lieb gehabt. So dachte der Baum.

Viele Jahre später kam ein kleines Mädchen mit seinem Vater am Baum vorbei. Er war inzwischen erwachsen geworden, der Gärtner und seine Frau waren stolz auf ihn. Er war ein rechter und anständiger Baum geworden.
Das kleine Mädchen blieb vor ihm stehen. "Papa, findest du nicht auch, daß der Baum hier ein wenig traurig aussieht?" fragte es.
"Ich weiß nicht", sagte der Vater. "Als ich so klein war wie du, konnte ich manchmal auch sehen, ob ein Baum fröhlich oder traurig ist. Aber heute sehe ich das nicht mehr."
"Der Baum sieht wirklich ganz traurig aus."

Das kleine Mädchen sah ihn mitfühlend an. "Den hat bestimmt niemand richtig lieb. Schau mal, wie ordentlich der gewachsen ist. Ich glaube, der wollte mal ganz anders wachsen, durfte aber nicht. Und deshalb ist er jetzt traurig."
"Vielleicht", antwortete der Vater versonnen.
"Aber wer kann schon wachsen, wie er will?"
"Warum denn nicht?" fragte das Mädchen. "Wenn jemand den Baum wirklich lieb hat, kann er ihn auch so wachsen lassen, wie er selber will, oder nicht? Er tut damit doch niemandem etwas zuleide."

Erstaunt und schließlich erschrocken blickte der Vater sein Kind an.
Dann sagte er: "Weißt du, keiner darf so wachsen, wie er will, weil sonst die anderen merken würden, daß auch sie nicht so gewachsen sind, wie sie eigentlich mal wollten."
"Das verstehe ich nicht, Papa!"
"Sicher, Kind, das kannst du noch nicht verstehen. Auch du bist vielleicht nicht immer so gewachsen, wie du gerne wolltest. Auch du durftest nicht."
"Aber warum denn nicht, Papa? Du hast mich doch lieb und Mama hat mich auch lieb, nicht wahr?"

Der Vater sah sie eine Weile nachdenklich an. "Ja", sagte er dann, sicher haben wir dich lieb." Sie gingen langsam weiter und das kleine Mädchen dachte noch lange über dieses Gespräch und den traurigen Baum nach.

Der Baum hatte den beiden aufmerksam zugehört, und auch er dachte lange nach. Er blickte ihnen noch hinterher, als er sie eigentlich schon lange nicht mehr sehen konnte.
Dann begriff der Baum. Und er begann hemmungslos zu weinen (hier endet der erste Teil)

In dieser Nacht war das kleine Mädchen sehr unruhig. Immer wieder dachte es an den traurigen Baum und schlief schließlich erst ein, als bereits der Morgen zu dämmern begann. Natürlich verschlief das Mädchen an diesem Morgen. Als es endlich aufgestanden war, wirkte sein Gesicht blaß und stumpf.

"Hast du etwas schlimmes geträumt", fragte der Vater. Das Mädchen schwieg, schüttelte dann den Kopf.
Auch die Mutter war besorgt: "Was ist mit dir?"
Und da brach schließlich doch all der Kummer aus dem Mädchen.
Von Tränen überströmt stammelte es: "Der Baum! Er ist so schrecklich traurig.
Darüber bin ich so traurig. Ich kann das alles einfach nicht verstehen."

Der Vater nahm die Kleine behutsam in die Arme, ließ sie in Ruhe ausweinen und streichelte sie liebevoll. Dabei wurde ihr Schluchzen nach und nach leiser und die Traurigkeit verlor sich allmählich. Plötzlich leuchteten die Augen des Mädchens auf, und ohne daß die Eltern etwas begriffen, war es aus dem Haus gerannt.

Wenn ich traurig bin und es vergeht, sobald mich jemand streichelt und in die Arme nimmt, geht es dem Baum vielleicht ähnlich - so dachte das Mädchen. Und als es ein wenig atemlos vor dem Baum stand, wußte es auf einmal, was zu tun war.

Scheu blickte die Kleine um sich. Als sie niemand in der Nähe entdeckte, strich sie zärtlich mit den Händen über die Rinde des Baumes.
Leise flüsterte sie dabei: "Ich mag dich, Baum. Ich halte zu dir. Gib nicht auf, mein Baum!"

Nach einer Weile rannte sie wieder los, weil sie ja zur Schule mußte. Es machte ihr nichts aus, daß sie zu spät kam, denn sie hatte ein Geheimnis und eine Hoffnung.

Der Baum hatte zuerst gar nicht bemerkt, daß ihn jemand berührte. Er konnte nicht glauben, daß das Streicheln und die Worte ihm galten - und auf einmal war er ganz verblüfft, und es wurde sehr still in ihm.

Als das Mädchen wieder fort war, wußte er zuerst nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Dann schüttelte er seine Krone leicht im Wind, vielleicht ein bißchen zu heftig, und sagte zu sich, daß er wohl geträumt haben müsse. Oder vielleicht doch nicht?
In einem kleinen Winkel seines Baumherzens hoffte er, daß es kein Traum gewesen war.

Auf dem Heimweg von der Schule war das Mädchen nicht allein. Trotzdem ging es dicht an dem Baum vorbei, streichelte ihn im vorübergehen und sagte leise:
"Ich mag dich, und ich komme bald wieder."

Da begann der Baum zu glauben, daß er nicht träumte, und ein ganz neues, etwas seltsames Gefühl regte sich in einem kleinen Ast.
Die Mutter wunderte sich, daß ihre Tochter auf einmal so gerne einkaufen ging.
Auf alle Fragen der Eltern lächelte die Kleine nur und behielt ihr Geheimnis für sich.

Immer wieder sprach das Mädchen nun mit dem Baum, umarmte ihn manchmal, streichelte ihn oft. Er verhielt sich still, rührte sich nicht.
Aber in seinem Inneren begann sich etwas immer stärker zu regen.
Wer ihn genau betrachtete, konnte sehen, daß seine Rinde ganz langsam eine freundlichere Farbe bekam. Das Mädchen jedenfalls bemerkte es und freute sich sehr.

 

 

Der Gärtner und seine Frau, die den Baum ja vor vielen Jahren gepflanzt hatten, lebten regelmäßig und ordentlich, aber auch freudlos und stumpf vor sich hin. Sie wurden älter, zogen sich zurück und waren oft einsam. Den Baum hatten sie so nach und nach vergessen, ebenso wie sie vergessen hatten, was Lachen und Freude ist - und Leben.

Eines Tages merkten sie, das manchmal ein kleines Mädchen mit dem Baum zu reden schien. Zuerst hielten sie es einfach für eine Kinderei, aber mit der Zeit wurden sie doch etwas neugierig. Schließlich nahmen sie sich vor, bei Gelegenheit einfach zu fragen, was das denn soll. Und so geschah es dann auch.

Das Mädchen erschrak, wußte nicht so recht, wie es sich verhalten sollte. Einfach davonlaufen wollte es nicht, aber erzählen, was wirklich war - das traute sie sich nicht. Endlich gab die Kleine sich einen Ruck, dachte: "Warum eigentlich nicht?" und erzählte die Wahrheit.

Der Gärtner und seine Frau mußten ein wenig lachen, waren aber auf seltsame Weise unsicher, ohne zu wissen, warum. Ganz schnell gingen sie wieder ins Haus und vergewisserten sich gegenseitig, daß das kleine Mädchen wohl ein bißchen verrückt sein müsse.
Aber die Geschichte ließ sie nicht mehr los.

Ein paar Tage später waren sie zufällig in der Nähe des Baumes, als das Mädchen wieder kam. Diesesmal fragte es die Gärtnersleute, warum sie denn den Baum so zurechtgestutzt haben. Zuerst waren sie empört, konnten aber nicht leugnen, daß der Baum in den letzten Wochen ein freundlicheres Aussehen bekommen hatte.

Sie wurden sehr nachdenklich. Die Frau des Gärtners fragte schließlich:
"Meinst du, daß es falsch war, was wir getan haben?"
"Ich weiß nur" antwortete das Mädchen, "daß der Baum traurig ist.
Und ich finde, daß das nicht sein muß. Oder wollt ihr einen traurigen Baum?"
"Nein!" rief der Gärtner. "Natürlich nicht. Doch was bisher gut und recht war, ist ja wohl auch heute noch richtig, auch für diesen Baum."
Und die Gärtnersfrau fügte hinzu: "Wir haben es doch nur gut gemeint."
"Ja das glaube ich", sagte das Mädchen, "ihr habt es sicher gut gemeint und dabei den Baum sehr traurig gemacht. Schaut ihn doch einmal genau an!"

Und dann ließ sie die beiden alten Leute allein und ging ruhig davon mit dem sicheren Gefühl, daß nicht nur der Baum Liebe brauchen würde. Der Gärtner und seine Frau dachten noch sehr lange über dieses seltsame Mädchen und das Gespräch nach. Immer wieder blickten sie verstohlen zu dem Baum, standen oft vor ihm, um ihn genau zu betrachten.

Und eines Tages sahen auch sie, daß der Baum zu oft beschnitten worden war. Sie hatten zwar nicht den Mut, ihn auch zu streicheln und mit ihm zu reden. Aber sie beschlossen ihn wachsen zu lassen, wie er es wollte.

Das Mädchen und die beiden alten Leute sprachen oft miteinander - über dies oder das und manchmal über den Baum. Gemeinsam erlebten sie, wie er ganz behutsam, zuerst ängstlich und zaghaft, dann ein wenig übermütig und schließlich kraftvoll zu wachsen begann. Voller Lebensfreude wuchs er schief nach unten, als wollte er zuerst einmal seine Glieder räkeln und strecken. Dann wuchs er in die Breite, als wolle er die ganze Welt in seine Arme schließen, und in die Höhe, um allen zu zeigen, wie er sich fühlte.

Auch wenn der Gärtner und seine Frau es sich selbst nicht trauten, so sahen sie doch mit stiller Freude, daß das Mädchen den Baum für alles lobte, was sich an ihm entfalten und wachsen wollte. Voll Freude beobachtete das Mädchen, daß es dem Gärtner und seiner Frau beinahe so ähnlich ging wie dem Baum. Sie wirkten lebendiger und jünger, fanden das Lachen und die Freude wieder und stellten eines Tages fest, daß sie wohl manches im Leben falsch gemacht hatten. Auch wenn das jetzt nicht mehr zu ändern wäre, so wollten sie wenigstens den Rest ihres Lebens anders gestalten.

Sie sagten auch, daß sie Gott wohl ein wenig falsch verstanden hätten, denn Gott sei schließlich kein Gefängnis. So blühten gemeinsam mit dem Baum zwei alte Menschen zu neuem Leben auf. Es gab keinen Garten weit und breit, in welchem ein solch schief und wild und fröhlich gewachsener Baum stand.

Oft wurde er jetzt von Vorübergehenden bewundert, was der Gärtner, seine Frau und das Mädchen mit stillem, vergnügten Lächeln beobachteten. Am meisten freute sie, daß der Baum all denen Mut zum Leben machte, die ihn wahrnahmen und bewunderten. Diesen Menschen blickte der Baum noch lange nach - oft bis er sie gar nicht mehr sehen konnte.

Und manchmal begann er dann, so daß es sogar einige Menschen spüren konnten, tief in seinem Herzen glücklich zu lachen.

 

Quelle: Heinz Körner

 

 

 

Der Wald - Ort der Besinnung

Interessante Daten aus unserem Wald

"Mein Herz strömt über beim Anblick der schönen Natur. Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. Geben doch Wälder, Bäume und Felsen den Widerhall, den der Mensch braucht. Ist mir doch, als wenn jeder Baum zu mir spräche!" Diese wenigen Sätze von Beethoven mögen vielen von uns aus dem Herz sprechen. Erst jetzt, angesichts vieler kranker und z.T. schon sterbenden Wälder, wird so manchem klar, welche Bedeutung der Wald für uns hat. Er ist für uns Heimat, Ort der Besinnung, Erholung und Heimkehr zugleich. Über 80% der Waldspaziergänger gehen aus gesundheitlichen Gründen, 10% wegen der Naturbeobachtung und 8% aus Freude an der Schönheit der Natur in den Wald. Wandern ist eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, die vor allem in den vergangenen Jahren immer mehr Zuspruch fand. Doch was wäre das Wandern ohne den Wald. Dieser zieht den Wanderer in besonderem Maße an. In den Wäldern abseits der Zentren ist die ursprüngliche Natur noch erhalten geblieben. Im Wald wandern, heißt nicht einfach durch den Wald laufen, um eine möglichst lange Strecke zurückzulegen. Genüßliches Waldwandern bedeutet vielmehr, sich für die Vielfalt des Waldes zu interessieren. Sich an den grün-goldenen Lichtreflexen des Laubes zu erfreuen. Hier und da eine uns bekannte oder auch fremde Blume oder Pflanze zu betrachten. Dem vertrauten Gesang eines Vogels zuzuhören. Sich an den prächtigen Farben eines Schmetterlings sattsehen - oder ganz einfach die würzige Luft tief einatmen!


Unsere fünf Sinne werden beim Wandern durch den Wald geschult und auch herausgefordert. Denken wir an das Vogelkonzert eines Frühlingsmorgens - an den Wind, der vom leichten Säuseln bis zum tobenden Orkan mit den Bäumen sein Spiel treibt. Unser Geruchsinn meldet uns an einem Herbstmorgen den Duft von feuchter Erde und Pilzen und an heißen Sommertagen den Geruch von Harz. Die Augen werden gefordert bei der Vielfalt von Pflanzen und Lebewesen, die wir sehen. Unser Gaumen kann sich an den köstlichen Beerenfrüchten erfreuen oder an den Pilzen, die nach einer Wanderung zubereitet werden.

Interessantes vom Wald und seinen Bewohnern

Bayern, daß das waldreichste Bundesland ist, besitzt 2,5 Mio.Hektar Wald, was etwa 1/3 seiner Fläche ausmacht. Die Verteilung von Wald und Flur war schon vor 900 Jahren fast so wie heute. Erst die ungeregelte Waldnützung des Mittelalters führte in vielen Teilen zu schweren Waldverwüstungen und Kahlschlägen. Erst um 1800 entstand wieder eine planmäßige Forstwirtschaft, welche die in den vergangenen Jahrhunderten arg in Mitleidenschaft genommenen Wälder planmäßig bewirtschaftete und so die Walderträge schon nach einem Jahrhundert um das Doppelte steigerte.


Hier einige interessante Daten von unserem Wald: Im Wald finden wir die sauberste Luft. Ein Kubikmeter Waldluft enthält etwa 500 Staub- und Rußteile, während über Industriegebieten bis zu 500 000 enthalten sind. Eine Buche produziert in einer Stunde 1,7 kg Sauerstoff, was dem Sauerstoffbedarf von 3 Menschen entspricht. Dieses wird verständlicher, wenn wir wissen, daß eine hundertjährige Buche eine Blattoberfläche von 1600 qm hat. Alle Blattzellen zusammengerechnet, ergibt das eine Fläche von 160 000 qm. Ein ha Laubwald erzeugt im Jahr 15 t Sauerstoff. Nadelwald liefert die doppelte Menge, während 1 ha Garten- und Ackerland "nur" 2 bis 10 t produziert. Das härteste Holz besitzen Ahorn, Buche, Eiche und Eibe. Sehr weich dagegen sind die Hölzer der Pappel, Weide und Linde. Das Gewicht eines Festmeters frischen Fichtenholzes beträgt 800 kg und ein Hektar 60jähriger Wald wiegt ca. 299 t, davon die Wurzeln 50 t - Laub und Nadeln mit Ästen 30 t und die Stämme 129 t. Wer das Alter eines Baumes wissen will, für den gilt es die Jahresringe eines gefällten Baumes zählen. Zu dieser Zahl werden noch 2 bis 4 Jahre für die allerfrüheste Jugend dazugezählt und schon kennen wir das Alter des Baumes. An der verschiedenen Breite der Jahresringe können wir die unterschiedlichsten Wachstumsphasen ersehen. Enge Zwischenräume entstehen in nassen Jahren, bei Dürreperioden oder Spätfrost. Weite Ringe lassen dagegen auf gute Wachstumsbedingungen schließen. Wer die Höhe eines Baumes wissen will, für den gibt es ein einfaches Verfahren. Wir brauchen dazu nur einen Stab, der die Länge vom Auge bis zu der gestreckten Faust hat. Diesen hält man senkrecht nach oben so vor sich, daß die Faust in Augenhöhe liegt. Dann verändert man durch hin- und Hergehen die Entfernung zum Baum solange, bis der Baumwipfel in einer Linie mit der Spitze des Stockes gesehen wird. Der Entfernung vom Standpunkt des Beschauers bis zum Baum wird nun noch die Größe der messenden Person hinzugezählt, und schon haben wir die Höhe des Baumes.


Übrigens: Wußten Sie, daß Spinnen keine Netze in Möbel oder Bauwerke weben, die aus Kastanienholz bestehen? Deshalb werden wohl auch in vielen Schlössern, Balken aus diesem Holz verwendet. Wie jede Hausfrau weiß, wäre es eine mühsame Arbeit, die Spinnweben von den hohen Holzbalkendecken zu entfernen. Auch vom Tierreich in unseren Wäldern gibt es erstaunliches zu berichten. So gibt es eine bestimmte Bremsenart, die hauptsächlich Rehwild befällt. Das besondere an ihr ist, daß sie so schnell fliegt wie ein Düsenflugzeug - etwa 1316 km/h. Dabei legt sie in einer Sekunde eine Strecke von rund 365 m zurück. Da wir schon bei diesen Blutsaugern sind, noch einiges dazu: Es saugen nur die weiblichen Bremsen und Zecken Blut, ebenso wie nur weibliche Stechmücken stechen. Letztere lieben auch kühlere Temperaturen und haben eine Vorliebe für die Farbe blau. Hochinteressante Waldtiere sind auch die Ameisen. Diese haben das größte Gehirn im Verhältnis zu ihrer Körpergröße.



Text © Walter J.Pilsak

 

 

Lebensraum Wald

Wald - was bedeutet dieses kurze Wort nicht alles! Für unseren Planeten und der darauf wohnenden Menschheit verkörpert es Sauerstoff und Leben. Für den einzelnen Menschen selbst ist der Wald ein Ort der Erholung und Entspannung sowie ein wichtiger Rohstofflieferant. Und für die darin wohnende Tierwelt ist er ganz einfach der Lebensraum, von dem sie abhängig ist. Dieses kleine Wort "Wald" hat also eine ungemein große und wichtige Bedeutung für uns alle. Der Wald ist ein besonderer Lebensraum. Er ist die komplizierteste und mächtigste Erscheinungsform, die das Leben auf der Erde hervorgebracht hat. Dabei ist es natürlich ein großer Unterschied, von welchem Wald wir sprechen; denn Wald ist nicht gleich Wald!


Die Holzplantagen, wie sie in diesem Jahrhundert angepflanzt wurden, sind artenarm an Pflanzen und Tieren. Dies gilt in besonderem Maße für Vögel. Meist sind diese Fichtenbestände nur vereinzelt mit Lärchen, Vogelbeere und einigen wenigen anderen Baumarten aufgelockert. Obwohl diese Wirtschaftswälder immer noch von vielen Forstwirten sehr geschätzt werden, verdienen sie kaum die Bezeichnung Wald im herkömmlichen Sinn. Schon dadurch, daß die Bäume Reihe an Reihe aneinanderstehen und dadurch kein Licht auf den Boden fällt, kann sich darin kein vielfältiges Leben entwickeln.


Auch die Böden eines Nadelwaldes sind ganz anders beschaffen als die eines Laub- oder Mischwaldes. Während in letzteren die im Herbst abgeworfenen Blätter sehr schnell verrotten, bildet sich auf dem Boden eines Nadelwaldes eine dicke Nadelschicht die oft bis zu 20 cm und noch stärker werden kann. Sie wird auch nur sehr langsam abgebaut. Diese Streuschicht ist das charakteristische Erscheinungsbild eines Nadelwaldes. Im Gegensatz zu Laubwaldböden sind hier aufgrund der Versauerung und Stickstoffarmut auch keine Regenwürmer und Schnecken vertreten. Trotzdem wird auch im Nadelwald alles anfallende tote Material vom Holz über die Nadeln bis zu Tierkadavern von den verschiedensten Kleinlebewesen abgebaut und dem Boden in Form von Mineralsalzen wieder zugeführt. Es gibt also auch in diesem Ökosystem - wie überall in der Natur - keinen Abfall.

Die verschiedenen Stockwerke eines Laub- und Mischwaldes

Ganz anders dagegen der Mischwald oder reine Laubwald. Hier gibt es die unterschiedlichsten Waldgesellschaften. Ob es jetzt Fichten-Buchenwälder, Eichen-Buchenwälder oder reine Buchenwälder sind. In allen ssist die Pflanzenvielfalt und der Tierreichtum ungemein groß.
Jeder Wald, vor allem Laub- und Mischwald, setzt sich aus mehreren Stockwerken zusammen. So wie in einem Hochhaus jede Etage oft einer anderen Nutzung zufällt, so leben auch in einem wald je nach Etage, andere Tier- und Pflanzenarten. Trotzdem ist aber ein reger Austausch zwischen diesen verschiedenen lebensräumen gegeben. Sie sind in einem ökologischen Kreislauf miteinander verbunden und bilden ein vernetztes System. Die Zahl an Vogelarten ist z.B. in Wäldern mit mehreren Etagen am häufigsten, während in eintönigen Fichtenplantagen, in denen der Wald nur eine Kronschicht und einen Stammraum hat, am geringsten ist.


Die Kronen der hohen Bäume (ca. 35 bis 40 m) bilden das oberste Stockwerk. Es ist zugleich auch das Dach des Waldes. Die nächste Etage wird dann von dem Baumbestand gebildet, der eine geringere Höhe (15 bis 25 m) erreicht. Es sind Baumarten wie die Eberesche oder Hainbuche. Sie bilden im Wald auch eine einheitliche Zone. Das vorletzte Stockwerk ist dann die Strauchschicht, die eine Höhe von etwa 5 Metern erreicht. Man bezeichnet sie auch als Unterholz. Je nach Waldart sind dies Faulbaum, Hasel, Holunder oder Wacholder. Das Erdgeschoß ist dann der Waldboden mit seinen Moosen, Pilzen und Gräsern bis zu einer Höhe von 20 cm. Hier ist die lebensvielfalt an Pflanzen und Tieren am größten. Aber auch der Boden selbst ist noch einmal unterteilt in die Humusauflage, den Oberboden und den Unterboden.


In einem Buchenwald leben etwa 7.000 Tierarten. Von diesen sind mehr als 5.000 Insekten und nur etwa 100 zählen zu den Wirbeltieren. Da in einem Wald, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, nur weniges für die Tiere freßbar ist, herrscht immer ein gewisser Mangel an Nahrung. Vieles ist nämlich unverdaulich, giftig, verholzt, mit Dornen oder Stacheln bewehrt oder hoch oben in den Bäumen unerreichbar. Tiere, die über dem Boden leben, zehren deshalb von einer schmalen Ernährungsbasis.



Der Mischwald als Vogelparadies

In den verschiedenen Etagen der Mischwälder haben die Vögel ihren Lebensraum. Hier finden sie im Gegensatz zu reinen Fichten- oder Kiefernwäldern unzählige Nistmöglichkeitn. Hier sei nur das Beispiel Buchenwald aufgeführt: Am Boden finden Arten wie die Amsel, Singdrossel, Rotkehlchen, Buchfink und Hekenbraunelle ihre Nahrung. In der nächsten Etage, der Strauchschicht sind Gelbspötter sowie Garten-, Dorn- und Mönchsgrasmücke zu Hause. Die Stämme wiederum sind Nahrungsgrundlage für Buntspecht, Kleiber, Waldbaumläufer, Zaunkönig und Gartenbaumläufer. Insektenfresser, die vorwiegend auf Zweigen und Ästen nach Nahrung suchen, sind Sumpfmeise, Blaumeise und Kohlmeise. In den Baumkronen suchen Zilpzalp, Fitis, Waldlaubsänger und Wintergoldhähnchen nach Insekten und die Grünlinge nach Samen. In der Luft dann, sozusagen als fliegenschnappende Arten sind Gartenrotschwanz, Gras- und Trauerfliegenschnäpper bekannt. Überall zu Hause sind als Allesfresser die Ringeltaube, Kernbeißer, Hohltaube, Pirol und Eichelhäher. Zu guter Letzt seien noch Waldkautz, Sperber und Rabenkrähe genannt.

Text © Walter J.Pilsak

 

 

 


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